Skip to main content
| , ,
by: j.hoffmann

Cities we love: New York City by Jens James Hoffman

 

Pompös: Das Hotel Waldorf Astoria

Fast zwei Milliarden Dollar hat die Verjüngungskur des legendären Waldorf Astoria in New York gekostet. Einst gingen Prominente und Mächtige hier ein und aus – und heute? Besichtigung einer Hotel-Ikone Anhören

Merken TeilenDrucken

Als Erstes riecht man eine Mischung aus Sandelholz und Zitrusfrüchten. Raumparfüm gefällt nicht jedem, doch im wieder eröffneten New Yorker Prachthotel Waldorf Astoria ist der Duft so subtil, dass es auch für Puristen erträglich sein mag. Acht Jahre hat die Renovierung des Hotels gedauert, das Conrad Hilton einst als „The greatest of them all“, das großartigste der Welt, ­bezeichnete. Früher war das Haus mit seinen 47 Stockwerken immerhin das höchste Hotel der Welt.

Die Verjüngungskur, die fast zwei Milliarden Dollar kostete, soll das Waldorf Astoria nun wieder zu dem machen, was es einst war: Treffpunkt der Reichen und Schönen, vor allem aber: der Wichtigen – von Queen Elizabeth II. bis zum Dalai Lama übernachteten sie hier, und manche blieben im Fahrstuhl stecken wie einst Nikita Chruschtschow – angeblich. Seit Juli können Gäste wieder hier übernachten, jetzt gibt es statt früher 1400 Zimmer allerdings nur noch 375, die natürlich viel größer und schöner sein sollen. In den oberen Stockwerken sind 372 Eigentums-Millionärsresidenzen entstanden. Vergangene Woche öffneten auch die legendären, denkmalgeschützten Ballsäle mit Namen wie Astor und Basildon. Ist sie also wieder da, die alte Eleganz, konnten die Milliarden den Glanz vergangener Epochen zurückbringen?

Teuer schlafen: Unter 1500 Dollar pro Nacht gibt’s hier kein Zimmer.
Teuer schlafen: Unter 1500 Dollar pro Nacht gibt’s hier kein Zimmer.Reuters

Eine von zwei Treppen aus Marmor und Travertin-Stein muss man von der Park Avenue kommend hinaufgehen, und schon ist da das Herzstück des Hauses, auf das New Yorker und Besucher jahrelang verzichten mussten: die fast drei Meter hohe Standuhr von 1893, angefertigt im Auftrag von Königin Victoria als Geschenk anlässlich der Weltausstellung in Chicago. Verziert ist sie mit den silbergeprägten Relief-Porträts von sechs US-Prä­sidenten, an ihrer Spitze thront eine ­Miniatur-Freiheitsstatue. Die Uhr war auch Mittelpunkt des alten Waldorf Hotels, das die Astor-Familie im selben Jahr gebaut hatte und das 1929 abgerissen wurde, um Platz zu machen für das Empire State Building. Seit 1931 steht sie nun hier – ob die New Yorker den Satz „Meet me at the clock“, triff mich bei der Uhr, ebenfalls wiederbeleben werden? Sie sitzen jedenfalls gern einfach so in Hotel-Lobbys wie dieser herum, häufig mit Laptop.

Der „Waldorf-Cocktail“ mit Absinth kostet 38 Dollar.

Die mobilen Jobber sieht man im Waldorf Astoria noch nicht, und überhaupt fühlt es sich besser an, nicht herumzustreunen, sondern in der Bar Peacock Alley einen Drink zu bestellen oder etwas zu essen – derzeit am besten mit Reservierung. Der „Waldorf-Cocktail“ mit Absinth kostet 38 Dollar, der gleichnamige Salat schmeckt wie im Diner nebenan, solide. So lässt es sich entspannter schauen: Da ist nicht nur die königliche Uhr, sondern auch der Steinway-Flügel von Cole Porter, der hier mehr als dreißig Jahre lang wohnte. Gäste dürfen darauf spielen, selbstverständlich vorsichtig.

Erhalten wurden bei der Renovierung des Designers Pierre-Yves Rochon und des Architekturbüros Skidmore, Owings & Merrill (SOM) auch die Art- déco-Verzierungen an den Wänden sowie die Wandmalereien. Wo es möglich war, blieben die Originale. Und wie vor der Renovierung gehört das Hotel immer noch einer chinesischen Versicherungsgruppe – vorher Anbang, nun Dajia – und wird von der Hilton-Kette betrieben.

Seit einigen Tagen sind zudem die Festsäle eröffnet. Einst fand die Met Gala hier statt, Grace Kelly und Fürst Rainier von Monaco gaben einen Empfang nach ihrer Verlobung, die Hiltons mehrerer Generationen feierten Parties, für Paris Hilton war es wie ihr Wohnzimmer. Jetzt lässt sich auch der Silver Corridor bewundern, eine etwas disneyhafte Flucht aus Lüstern und Deckengemälden mit Putten und Wölkchen am babyblauen Himmel.

The Big Apple hat nun eines seiner Wahrzeichen wieder, auch wenn das Hotel ein wenig wie eine begehbare Kulisse vergangener Zeiten wirkt. Die Renovierung des Waldorf Astoria bewegte die New Yorker dabei längst nicht so sehr wie die des Algonquin Hotels, in dem einst Dorothy Parker beobachtete und kommentierte, was ihren intellektuellen Kreis bewegte. Vor drei Jahren gab es nach der Algonquin-Renovierung wochenlangen Aufruhr, weil vielen, inklusive Kommentatoren der „New York Times“, das Ganze etwas kühl, ja „corporate“, geraten war. Das will sich im Waldorf Astoria niemand nachsagen lassen. Der alte Glamour soll auch der neue sein, und dementsprechend sind die Preise, so lässt sich schließlich Exklusivität herstellen.

Wer hier schlafen möchte, zahlt mindestens 1500 Dollar für ein Zimmer. Doch wie überall in amerikanischen Luxushotels ist der Kunde König, auch was das Outfit angeht. Zwar kann man einiges an modischer Eleganz beobachten – hier ein mutmaßlicher Maßanzug, dort ein schimmerndes Seidenkleid, das wohl nicht von der Stange kommt. Doch, auch wenn es die livrierten Angestellten vielleicht gerne anders hätten: der eine oder andere finanziell gutgestellte Tourist in kurzen Hosen läuft zu den Fahrstühlen, auch eine junge Frau mit Selfiestick und grün schattierter Riesenbrille sitzt neben einer Tasse Kaffee, ihr schwarz-weiß karierter Sweat-Overall erinnert an einen Harlekin.

Und so können die Milliarden den Glamour in den Räumen wieder herstellen, doch einen Dresscode findet man hier nicht. Wer zahlt, der bestimmt. Und vielleicht ist das ganz passend: Peacock Alley war in den alten Zeiten der rote Teppich der Stadt, hierher kam man, um zu sehen und gesehen zu werden. Und heute kommen eben die Influencer und machen eine Instagram-Kachel daraus. Die Exklusivität wird auf diese Weise zwar gestört, aber selbst Millionäre finden Jogginghosen nun einmal bequem. Das subtile Raumparfüm ist hingegen eine Maßanfertigung – „301 Park Avenue“ heißt es, wie die Hoteladresse, es kommt vom Duftspezialisten „Fueguia 1833“, und an der Bar verflüchtigt es sich langsam.

Weitere Informationen unter: www.hilton.com/de/hotels/nycwawa-waldorf-astor

Hasonló cikkek

Hírlevél

Related Articles